Spätestens seit der industriellen Revolution beeinflusst die Menschheit das Klima. Doch nicht alle Menschen sind gleichermassen für die Klimaerwärmung verantwortlich: Die bis 1990 emittierten Treibhausgase stammten zu 80% von Industrienationen. Hingegen leiden Menschen in Entwicklungsländern, welche nur marginal zur Klimaerwärmung beigetragen haben, schon heute unter deren Folgen. Die Petition der Klima-Allianz fordert vom Bundesrat Klimagerechtigkeit: Die Schweiz muss ihre eignen Treibhausgas-Emissionen schnell und wirksam senken, aber gemäss dem Verursacherprinzip auch einen gerechten Beitrag an die Finanzierung von Massnahmen in Entwicklungsländern machen.

Damit die globale Erwärmung nicht über die vereinbarte 2-Grad Grenze hinausschiesst, darf eine gewisse Höchst-Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre nicht überschritten werden. Gemäss dem letzten UNO-Sachstandsbericht haben wir durch bisherige menschliche Tätigkeiten – insbesondere durch Verbrennung fossiler Treib- und Brennstoffe, Abholzung und intensive Landwirtschaft – bereits zwei Drittel dieses Wertes erreicht. Würde man „das verbleibende Drittel“ an noch-zu-verkraftenden Emissionen bis 2050 auf alle Menschen gleich verteilen, so ständen jedem/-er Erdbewohner/-in ab sofort nur höchstens 2.1 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr zu. – In der Schweiz liegen wir im Moment bei 12-13 Tonnen pro Kopf und Jahr (Quelle: BAFU).

(Quelle: Global Footprint Network, 15 Sept. 2014)

So unterschiedlich die sozial-wirtschaftliche Entwicklung in den verschiedenen Regionen der Erde über die letzten Jahrzehnte voranschritt, so unterschiedlich haben diese auch zu den anthropogenen Treibhausgas-Emissionen beigetragen. Bis 1990 waren die reichen Industrienationen mit lediglich 15% der Weltbevölkerung für über 80% des globalen Treibhausgas-Effekts verantwortlich. Die Folgen hingegen treffen bereits heute die Bevölkerung der ärmsten Länder dieser Welt am härtesten: Menschen, die im Vergleich nur marginal zur bisherigen Treibhausgas-Erhöhung beigetragen haben, leiden zunehmend unter verheerenden Dürre- oder Flutkatastrophen. – Und dies meist in Ländern, welche nur beschränkt in der Lage sind, angemessene Massnahmen zur Eindämmung der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels selber zu finanzieren; geschweige denn Investitionen in klimaneutrale Technologien um im Zuge ihrer weiteren Entwicklung zunehmende Emissionen zu verhindern.

Die Frage, wer, wie und bis wann noch wieviel Treibhausgase emittieren darf, erhitzt die Gemüter. Entwicklungs- und Schwellenländer pochen auf ihr Anrecht, im Zuge der „nachholenden Entwicklung“ Anspruch auf einen gerechten Anteil am „verblebenden Emissions-Budget“ zu haben – mit der Begründung dass die reichen Industrieländer ja bereits für Ihren gegenwärtigen Wohlstand zwei Drittel des Höchstmasses an Treibhausgasen verursacht haben.

Das Verursacherprinzip wurde bereits 1992 in der Klimakonvention festgeschrieben und verlangt, dass alle Staaten „gemeinsame, aber unterschiedliche“ Massnahmen zur Eindämmung der Klimakrise treffen müssen. Die Staatengemeinschaft hat dies 2009 in Kopenhagen konkretisiert und Klimagerechtigkeit gefordert: Diejenigen Länder, welche bis 1990 am meisten Treibhausgas-Emissionen verursachten, sollen auch stärker in die Pflicht genommen werden, inländische sowie globale Massnahmen zur Reduktion von weiteren Treibhausgasen und deren Folgen zu treffen. Und zwar entsprechend ihrer wirtschaftlichen, technologischen und finanziellen Kapazität (siehe Finanzierung).

Die Klima-Allianz fordert vom Bundesrat, der Umsetzung des Prinzips Klimagerechtigkeit national und international höchste Priorität beizumessen. Die Schweiz muss sich stark machen für eine gerechte Aufteilung der erforderlichen technischen und finanziellen Last für notwendige Klimamassnahmen zwischen allen Staaten.

Das Konzept der Klimagerechtigkeit wird an den kommenden Verhandlungen und für einen Durchbruch am Klimagipfel in Paris Ende 2015 von zentraler Bedeutung sein. Als fortschrittliches und reiches Land muss die Schweiz klare Zeichen setzen: Einerseits indem sie sich selber zu einer angemessenen und ausreichenden Senkung ihres inländischen Treibhausgas-Ausstosses um mindestens 40% bis 2020, und 100% bis 2050 verpflichtet. Andererseits mit einem gerechten Beitrag an den beschlossene Finanzierungsfonds von jährlich 100 Mrd. USD ab 2020. Dieser soll ärmere Länder unterstützen, ihre Bevölkerungen vor den Folgen des Klimawandels zu schützen, sowie von Anfang an einen besseren, weniger Kohlenstoff-intensiven Pfad als die Industrieländer zu beschreiten.

Jürg Staudenmann, Alliance Sud

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