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«Vorsorgegelder dürfen nicht in Fossile fliessen!»

Die Klima-Allianz Schweiz fordert einen Stopp von Investitionen in fossile Energien. Warum dieser Schritt nicht nur umweltverträglicher ist, sondern auch unsere Renten sicherer macht, erklärt Christian Lüthi.

(Wirtschaftsguide Klimaschutz Sonntagszeitung)

Welches Risiko sehen Sie konkret bei Investitionen in fossile Energieunternehmen?

Das Ziel des Pariser Abkommens lässt sich umrechnen auf ein Budget an Treibhausgasausstoss, das noch verfügbar ist. Die Reserven an Kohle, Erdöl und Erdgas in den Bilanzen der fossilen Energieunternehmen entsprechen einem Mehrfachen dieses noch verfügbaren Budgets. Wenn die Staatengemeinschaft eine unumkehrbare Schädigung des Klimas abwenden will, sind die Reserven fossiler Energieunternehmen nicht mehr gänzlich nutzbar. Dies führt früher oder später zu einer Korrektur beim Wert fossiler Energieunternehmen. Sinkende Kosten der Erneuerbaren setzen die Fossilen zusätzlich unter Druck.

Sie sehen auch die Pensionskassen in der Verantwortung. Inwiefern?

Es dürfte sich für Stiftungsräte lohnen, ihre Pflicht zur Überprüfung und Reduktion mittel- und langfristiger Risiken wahrzunehmen bevor ein Platzen der Kohlenstoffblase zu massiven Verlusten führt. Stiftungsräte haften mit dem Privatvermögen für ein Unterlassen ihrer Sorgfaltspflicht. Doch Investitionen in Fossile haben nicht nur finanzielle Folgen. Gemäss Bundesamt für Umwelt befördern Schweizer Pensionskassen durch ihre Investitionen eine globale Klimaerwärmung von vier bis sechs Grad bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Dabei ist zu beachten, dass die Schweiz sich etwa doppelt so stark erwärmt wie das globale Mittel. Diese Erwärmung bedeutet für jüngere Versicherte ein Gesundheitsrisiko im Rentenalter. Statistisch gesehen werden die Folgen von Investitionen der Pensionskassen in fossile Energie einige Versicherte physisch schädigen. Hier stellt sich die Frage nach der treuhänderischen Verantwortung der Stiftungsräte und Kassenkommissionen: Verletzen sie mit einer Anlagestrategie, die im Jahr 2017 immer noch auf Kohle, Erdöl und Erdgas setzt, die Interessen der Versicherten?

Wie reagiert die Finanzbranche?

Namhafte Finanzspezialisten und -institute, wie die Bank of England, der weltweit grösste Vermögensverwalter BlackRock oder die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD, warnen vor Investitionen in fossile Energieunternehmen. Als kleines Land mit einem grossen Finanzplatz hat die Schweiz ein grosses Interesse daran, die nächste Finanzblase rechtzeitig zu erkennen. Nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA konnten wir unsere Finanzinstitute retten – wir haben keine Garantie, dass uns dies auch beim Platzen der Kohlenstoffblase gelingen wird. Indem die Versicherten ihre Pensionskassen dazu anhalten, Investitionen rechtzeitig aus der Risikozone der fossilen Energieunternehmen abzuziehen, schützen sie nebst ihren Renten auch die Schweizer Wirtschaft.

Klimaverträglich Investieren für eine Rente ohne Risiko

  • Die Investitionen des Schweizer Finanzplatzes finanzieren das rund 20-fache des direkten Treibhausgas-Ausstosses der Schweiz. Damit ist der Finanzplatz Schweiz ein Schwergewicht und vergleichbar mit den direkten Emissionen eines Landes wie Deutschland oder Japan. 
  • Wärmepumpe und Dämmung statt Heizen mit Öl, Nachtzug statt Flugzeug, saisonales Gemüse statt neuseeländischem Hirschpfeffer. Viele von uns machen im Alltag einiges, damit unser CO2-Ausstoss gesenkt wird. Gleichzeitig, im Stillen und Dunklen, wirken unsere Ersparnisse diesem Engagement im Alltag entgegen. Das muss nicht sein: Kontaktieren Sie Ihre Pensionskasse auf renten-ohne-risiko.ch und setzen Sie sich dafür ein, dass Ihre Vorsorgegelder nicht in Kohleminen, Erdölpipelines und Fracking-Bohrlöcher fliessen. Die Pensionskassen könnten Teil der Lösung werden und den nötigen Umbau des Energiesystems finanzieren.
  • Klare Auskünfte zu den Klimarisiken gibt es nur von wenigen Pensionskassen. Gesetzliche Vorgaben verpflichten die Kassen jedoch zur Transparenz. Fordern Sie von der eigenen Pensionskasse Transparenz, auf klima-allianz.ch und im direkten Dialog mit den durch Sie gewählten Vertretern im obersten Organ Ihrer Pensionskasse. 
  • 73 Organisationen aus den Bereichen Umweltschutz, Entwicklungszusammenarbeit, Kirche, Politik, Gewerkschaften und Klimalösungen bündeln ihre Kräfte in der Klima-Allianz Schweiz.
     
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