Klimakompatibilität

Pensionskasse Post

Charakterisierung Vorsorgeeinrichtung

Die Basisinformationen sind im zutreffenden Factsheet des Klima-Ratings Finanzanlagen zu finden.

Charakterisierung Teil Immobilien

Die Investitionen in Immobilien teilen sich gemäss Geschäftsbericht 2021 wie folgt auf (in Prozent aller Immobilienanlagen):

  • Kollektiv via Pensimo im Inland, unter wesentlicher Kontrolle der PK Post, rund 940 Mio. CHF: 31%
  • Kollektiv via Pensimo Testina im Ausland, unter wesentlicher Kontrolle der PK Post, rund 770 Mio. CHF: 19%
  • Indirekt in andere Kollektivanlagen Inland, rund 980 Mio. CHF: 32%
  • Hypotheken, als Teil der Obligationen Schweiz (geschätzt): 18%
  • Green Bonds Immobilien: 0%

Für die Ermittlung der Zahlen siehe unten.

Nachhaltigkeitsstrategie Immobilien

Im Rahmen der Nachhaltigkeitspräsentation der Pensionskasse Post ist keine Nachhaltigkeitsstrategie für die Immobilien vorhanden.

  • Immobilien unter wesentlicher Kontrolle:

Die Pensionskasse Post ist Aktionärin der Pensimo Management AG mit erheblichem Gewicht und somit mit Einfluss. Sie investiert gemäss Geschäftsbericht 2021 in verschiedene verschiedene Pensimo-Anlagestiftungen, vor allem über die Anlagestiftung Turidomus mit 770 Mio. CHF, wo sie auch auf Stufe Stiftungsrat vertreten ist, aber auch über die Anlagestiftung Pensimo mit rund 90 Mio. CHF und über die Anlagestiftung Adimora mit rund 80 Mio. CHF (zusammen 940 Mio. CHF, entsprechend 31% der Aktiven). Somit übernimmt sie die Pensimo-Nachhaltigkeits-Zielsetzung für ihre Anlagen, die über verschiedene Pensimo-Anlagestiftungen zusammen mit mehreren anderen Pensionskassen wie die PKZH und die Pensionskassen der SBB, von Nestlé und der Aargauischen APK getätigt werden.

Die nicht gewinn- aber qualitätsorientierte Pensimo folgt gemäss ihrer Corporate Responsibility Policy in baulichen Belangen den Regeln des Vereins Schweizerischer Ingenieure und Architekten (SIA) sowie den bauökologischen Empfehlungen der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren KBOB. Sie richtet überdies ihre Investitionsstrategien auf die Energiestrategie 2050 des Bundes aus und ist bestrebt, mit ihrer Erneuerungs- und Bautätigkeit einen Beitrag zur Dekarbonisierung – der Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien und der Senkung von CO2-Emissionen – zu leisten.

Die Pensimo verfügt namentlich über eine umfassende Dekarbonisierungsstrategie mit CO2-Absenkpfad. Sie formuliert weitere qualitative Ziele in den Bereich Umwelt und Soziales:

  • Haushälterischer Umgang mit natürlichen Ressourcen zur Eindämmung der Klimaerwärmung und Förderung der Biodiversität.
  • Förderung nachhaltiger Mobilitätsformen an qualifizierten Standorten.
  • Förderung hoher architektonischer und städtebaulicher Qualität der Bauten und Siedlungen.
  • Prüfung der Sozialverträglichkeit von Massnahmen, z. B.  Vermeidung von grossen Eingriffen, so dass Wohnungen bei Sanierungen meist nicht gekündigt werden müssen und Mietzinsaufschläge halten sich im Rahmen.
  • Förderung des sozialen Lebens im Quartier, der Siedlungsvernetzung, der Nachbarschaftshilfe.
  • Die Bestandesbauten werden im Rahmen von zyklischen Sanierungen schrittweise verbessert. Falls noch Ausnützungspotenzial vorhanden ist, wird es in der Form von Aufstockungen oder als Ersatzneubau realisiert. Die Wahl des Zeitpunkts einer Sanierung ist entscheidend, denn die Lebensdauer der Bauteile und die verbaute graue Energie sollen möglichst vollständig ausgereizt werden.
  • Bevorzugt werden bewährte Konstruktionen und Materialien mit einer langen Lebensdauer.

Seit September 2022 liegt mit der Publikation Nachhaltigkeitspraxis eine umfassende Darstellung der Integration aller ESG-Kriterien vor, etwa auch der Maximierung der Nutzung der Photovoltaik und der Förderung der Elektromobilität und von Car-Sharing. Die Pensimo bekennt sich darin zum Netto-Null Ziel 2050 über alle ihre Liegenschaften in der Schweiz und veröffentlicht die Energie- und CO2-Kennzahlen der letzten vier Jahre im Detail. Aus dem Reporting geht hervor, dass die Pensimo erstmals 2017 einen CO2-Absenkpfad definiert hat. Dieser wurde 2021 im Einklang mit der Verschärfung der nationalen und der internationalen Zielsetzung angepasst. In den letzten 4 Jahren sanken die CO2-Emissionen ausgehend vom Stand von 22.2 kg CO2/m2/a um mehr als 5%, und die Verlängerung soll Netto-Null im Jahr 2050 ergeben.

Auch aus der Publikation Baustelle Klimaschutz von Hochparterre (April 2022) geht insbesondere im Kapitel “Vom Zustand des Bestandes” hervor, dass Pensimo eine sehr gute Übersicht über ihren Gebäudebestand hat und somit über eine umfassende Sanierungsstrategie verfügt, welche insbesondere auch beim Entscheid über Sanierung oder Neubau die graue Energie (Scope 3 upstream) in strukturierter Weise einbezieht, um deren ungeplante Vernichtung zu vermeiden. Schliesslich implementiert sie bei sämtlichen Liegenschaften die prädiktive Heizungssteuerung, womit zusätzlich zur aktuellen Aussentemperatur auch Wettervorhersagen eingespiesen werden, um den Verbrauch zu minimieren. Ausserdem werden durch ein Monitoring Daten für das CO2-Reporting generiert.

Im Ausland ist die PK Post über die Pensimo-Anlagestiftung Testina gemäss Geschäftsbericht 2021 Testina mit rund 580 Mio. CHF investiert, entsprechend rund 19% des gesamten Immobilienportfolios. Gemäss direkter Mitteilung von Pensimo an die Klima-Allianz vom August 2022 sei angesichts der überschaubaren Anzahl von etwa 30 Asset Managern eine Einflussnahme möglich und bereits im Gange.

  • Indirekte Immobilien:

Im Inland ist die PK Post über die Pensimo hinaus in indirekte, kollektive Finanzprodukte investiert. Gerechnet als Differenz zum Total der Immobilien sind rund 980 Mio. CHF investiert, entsprechend 32% des gesamten Immobilienvermögens.

Gemäss Geschäftsbericht 2021 investiert die PK Post via die Mandatsträger Assetimmo Immobilien-Anlagestiftung, Anlagestiftung der UBS für Personalvorsorge, Avadis AnlagestiftungAnlagestiftung Swiss Life, J. Safra Sarasin Anlagestiftung und Swiss Prime Anlagestiftung.

Kommentar Klima-Allianz

  • Zwar sind etwa bei Assetimmo Immobilien-Anlagestiftung und Swiss Prime Anlagestiftung Ansätze zur Planung eines systematischen Dekarbonisierungspfades erkennbar.
  • Die Identität der Anlagegruppen oder Fonds und die relativen Anteile sind jedoch nicht offengelegt.
  • Es besteht für die Pensionskasse Post jedenfalls ein grosser Bedarf, sich mit der Verträglichkeit ihrer indirekten Immobilienanlagen in der Schweiz mit dem Netto-Null Ziel spätestens 2050 zu beschäftigen.

Es ist folglich keine Strategie zur Dekarbonisierung der Immobilieninvestitionen in kollektive Kapitalanlagen  ersichtlich.

Kommentar Klima-Allianz

Die Klimastrategie sollte einen raschen Absenkungspfad der CO2-Emissionen mit Einschluss von ESG-Zielen zum Ziel haben und folgende Wirkachsen kombinieren:

  • Engagement der Asset Manager durch Einforderung der CO2-Emissionen pro m2 und von detaillierten ESG-Informationen sowie der Verpflichtung zu Netto Null spätestens 2050. Fortgeschrittene Vermögensverwalter sind in der Lage, diese beispielsweise auf der Basis der weit verbreitenden Teilnahme am globalen ESG- und Klima-Managementstandard GRESB zu gewinnen. In der Schweiz haben fortgeschrittene Fondsverwalter mit den neuen Leitlinien “Umweltrelevante Kennzahlen” der AMAS eine gute Grundlage zur Dokumentation der Treibhausgasemissionen.
  • Bei ausbleibendem Fortschritt oder ungenügender Performance, Deselektion von Mandaten und Fonds zugunsten von Anlagegefässen, deren Dokumentation maximale Klimawirkung und ESG-Qualität nachweist.
  • Hypotheken und Green Bonds Immobilien:

Die Pensionskasse Post rechnet gemäss Geschäftsbericht 2021 die Hypotheken den Obligationen Schweiz zu, ohne aber den Anteil separat auszuweisen. Gemäss grober Schätzung der Klima-Allianz dürften rund 18% der Immobilienanlagen als den Obligationen zugerechnete Hypothekenfonds investiert sein.

Es ist keine Absicht ersichtlich, im Bereich der Finanzierung von beeinflussbaren, externen Immobilieneigentümern eine Strategie zu konzipieren insbesondere für einen Zuwachspfad von Sanierungen mit optimaler Energieeffizienz und Dekarbonisierung.

Kommentar Klima-Allianz

Eine Klimastrategie sollte sich auf die folgenden Wirkachsen abstützen:

  • Engagement der Asset Manager von Hypothekenfonds durch Einforderung der CO2-Intensität der finanzierten Immobilien sowie der Verpflichtung zu Netto Null spätestens 2050, die primär durch einen Zuwachspfad grüner Hypotheken mit optimaler Wirksamkeit, die durch Beratung, Vergabekriterien und Monitoring wie auch durch das relative Ausmass einer Zinsverbilligung erreicht wird. Bei ausbleibendem Fortschritt oder ungenügender Performance, Deselektion von Mandaten und Fonds zugunsten von Anlagegefässen, deren Dokumentation maximale Klimawirkung nachweist.
  • Impact Investments in Green Bonds für grüne Hypotheken.
  • Impact Investments in Green Bonds für die Direktfinanzierung grüner Immobilien.

Reporting der direkten und indirekten CO2-Emissionen und ESG-Bestandesaufnahme

  • Immobilien unter wesentlicher Kontrolle:

Seit 2017 werden durch Pensimo die tatsächlichen Energie-Verbrauchswerte aller ihrer Liegenschaften (ohne Ausland) systematisch erfasst und ausgewertet. Im Jahr 2018 lagen die CO2-Emissionen der Liegenschaften im Bereich von rund 14.8 bis 27.7 kg CO2/m2 Energiebezugsfläche. Auf dieser Basis wurde ein Absenkpfad für die Portfolios aller Anlagegefässe der Pensimo Gruppe definiert, welcher alle drei Jahre überprüft wird. Noch aktueller und konkreter liegt ein aggregiertes Reporting in Nachhaltigkeitspraxis vom September 2022 vor (s.oben).

Kommentar Klima-Allianz

  • Es ist noch nicht bekannt, ob nur die Emissionen des Scope 1 (direkte Emissionen durch eigene Wärmeerzeugung) erfasst wurden, oder auch diejenigen des Scope 2, nämlich aus der extern bezogenen Energie via Fernwärme eingeschlossen sind.
  • Noch ausstehend sind Informationen zum Einbezug der extern generierten Emissionen durch den Verkehr der Nutzer (Scope 3 downstream) in die Planungsentscheide.
  • Indirekte Immobilien:

Es ist kein Reporting mit detaillierten CO2-Emissionen unter Einbezug passender ESG-Indikatoren für die in kollektive Anlagen investierten Immobilien ersichtlich.

  • Hypotheken:

Es ist keine Absicht ersichtlich für die Messung der finanzierten CO2-Emissionen, die durch den Bestand der Hypotheken finanziert werden.

Dekarbonisierungsziele für direkte und indirekte CO2-Emissionen und Massnahmenplanung

  • Immobilien unter wesentlicher Kontrolle:

Wie oben erwähnt, besteht neu eine Verpflichtung zum Netto-Null Ziel 2050 durch Pensimo für den Inlandbestand.

Für die Ausland Anlagestiftung Testina von Pensimo liegt keine Massnahmenplanung mit Netto-Null Ziel vor.

  • Indirekte Immobilien:

Es sind keine konkreten Ziele für einen 1.5°C-kompatiblen Absenkpfad der CO2-Emissionen für die in kollektive Anlagen investierten Immobilien ersichtlich.

  • Hypotheken und Green Bonds Immobilien:

Es sind keine konkreten Ziele für einen dezidierten Wachstumspfad für grüne Hypotheken, Green Bonds oder gleichwertige Finanzierungen für grüne Hypotheken und grüne Immobilien ersichtlich.

Stand der Umsetzung des Dekarbonisierungspfads seit 2020 mit Einschluss ESG- Ziele

  • Immobilien unter wesentlicher Kontrolle:

Es ist noch kein Reporting über das Ausmaß der erreichten Reduktion der direkten und indirekten Emissionen oder über die Verbesserung anderer Nachhaltigkeitselemente mit Bezugsjahr 2020 ersichtlich.

  • Indirekte Immobilien:

Es ist kein Reporting über das Ausmaß der erreichten Reduktion der direkten und indirekten Emissionen oder über die Verbesserung andere Nachhaltigkeitselemente ersichtlich.

  • Hypotheken und Green Bonds Immobilien:

Es ist kein Reporting über Fortschritte bei der Reduzierung der finanzierten CO2-Emissionen durch Erhöhung des Anteils an grünen Hypotheken oder Green Bonds für grüne Immobilien ersichtlich.

Schlussfolgerung

Noch kein Pfad zu Netto-Null spätestens 2050.

Positiv:

  • Bei den unter wesentlicher Kontrolle stehenden Immobilienanlagen der Pensionskasse Post via Pensimo in der Schweiz ist ein Bekenntnis zum Netto-Null Ziel 2050 der Schweiz vorhanden. Es besteht eine Dekarbonisierungsstrategie mit optimaler Systemperformance für die Ermöglichung des Netto-Null Ziels vor 2050.

Jedoch:

  • Für die Gesamtheit der Immobilienanlagen ist eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie für einen Dekarbonisierungspfad auf der Basis der CO2-Emissionen hin zu Netto-Null 2050 unter Berücksichtigung der relevanten UN-Sustainable Development Goals noch ausstehend.
  • Bei den gewichtigen indirekten Immobilienanlagen sind keine Aktivitäten zur Anforderung der CO2-Emissionen mit dem Ziel der Einleitung eines Dekarbonisierungspfades hin zu Netto-Null 2050 ersichtlich. Eine Systemperformance zu Netto-Null spätestens 2050 ist noch aufzubauen.
  • Bei den Hypothekenfonds und anderen Immobilienfinanzierungen ist keine Verpflichtung zu einem Zuwachspfad klimawirksamer grüner Hypotheken und von Green Bonds oder gleichwertige Finanzierungen für grüne Hypotheken und für grüne Immobilien ersichtlich.

Noch fehlt eine Klimastrategie für einen Dekarbonisierungspfad, der im Einklang steht mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens – max. 1,5°C und Netto Null für die eigenen und die finanzierten CO2-Emissionen bis spätestens 2050, mit einem Zwischenziel der Halbierung bis 2030 und einer Perspektive von Netto Null Emissionen 2040.

 

Tendenz

Bewertung: stagnierend

Kommentar Klima-Allianz

  • Es sollte für die Gesamtheit der Immobilienanlagen eine umfassende Klimastrategie mit der Verpflichtung auf konkrete und ehrgeizige Zwischenziele ausgearbeitet werden, die auf der Basis eines Umsetzungsplans einen Dekarbonisierungspfad mit Halbierung bis 2030 bewirkt und somit im Einklang mit einem Netto-Null-Ziel bis spätestens 2050 ist – immer unter Berücksichtigung der relevanten UN-Sustainable Development Goals.
  • Die Klimastrategie sollte insbesondere die Kollektivanlagen in Immobilien, die Hypothekenfonds sowie das Impact Investing in Green Bonds oder gleichwertige Finanzierungen für grüne Hypotheken und für grüne Immobilien adressieren.
  • Via Produktselektion und Engagement oder Auswechslung von Managern sollte bei den Kollektivanlagen in Immobilien die regelmässige Dokumentation der ESG-Qualität und der CO2-Emissionen pro m2 gesichert werden – und die Verpflichtung zum Netto-Null Ziel spätestens 2050.
  • Bei anderen Immobilienfinanzierungen sollte ein Prozess implementiert werden, der zu einem Zuwachspfad von Green Bonds oder gleichwertigen Finanzierungen führt, eingesetzt für grüne Hypotheken und/oder grüne Immobilien mit optimaler CO2-Wirksamkeit insbesondere für Sanierungen.
  • Für sämtliche Klimahebel im Immobilienbereich sollte eine permanent zu ajustierende Massnahmenplanung zu einem ehrgeizigen Zwischenziel für 2030 gesetzt werden, so dass ein Potenzial besteht, bis 2040 Netto-Null zu erreichen.