• Empfehlungen für die Klimaverträglichkeit der Investitionen

    Stand Dezember 2019

  • Der Weg zur Klimaverträglichkeit

    Die Erwartungen der Klima-Allianz an die Pensionskassen

    Einführung

    Die Vorsorgeeinrichtungen sind den Aufsichtsbehörden sowie ihren Versicherten und Rentenbeziehenden Rechenschaft schuldig. Ihre Tätigkeiten unterliegen der treuhänderischen Sorgfaltspflicht. Die Anlagepolitik - Strategien, Umsetzungs- und Anlageprozess - muss definiert sein und die Ausführung kontrolliert und dokumentiert werden.

     

    Pensionskassen haben ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Sie müssen die bestmögliche Rendite erzielen, dabei aber die Risiken von Wertverlusten ihrer Anlagen minimieren.

     

    ESG-Risiken (Environmental, Social, Governance) sowie Klimarisiken und -chancen sind bereits materiell: die Klima-Allianz begründet diese Aussage im nachfolgenden Kapitel.

     

    Zur Erfüllung ihres Auftrags ist folglich das ESG-Investieren mit Dekarbonisierungsplan bereits heute ein Muss.

     

    Eine ESG- und Klimastrategie mit Dekarbonisierungsplan ermöglicht den Vorsorgeeinrichtungen, weiterhin gesetzeskonform zu investieren und sich den neuen Rahmenbedingungen ihrer treuhänderischen Sorgfaltspflicht anzupassen.

     

    Das Rechtsgutachten Niederer Kraft Frey (NKF) von Oktober 2018 besagt, dass die Sorgfaltspflicht auch die Berücksichtigung der Klimarisiken und -chancen einschliesst.

     

    Insbesondere die folgenden Elemente des Rechtsgutachtens NKF haben das Potenzial, die zukünftige Dynamik bei der Auslegung der treuhänderischen Sorgfaltspflichten im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu beeinflussen (Zitate):

    • Die Sorgfaltspflicht der verantwortlichen Organe bzw. des Vermögensverwalters einer Pensionskasse, gebietet es, Klimarisiken, unter Beachtung der Grundsätze der Vermögensverwaltung von Art. 71 Abs. 1 BVG bei der Verwaltung des Vermögens einer Vorsorgeeinrichtung - was die Festlegung der Anlagestrategie im Anlagereglement und die Wahl der einzelnen Anlagen und die Diversifikation derselben beinhaltet - genauso wie alle anderen relevanten Anlagerisiken und -chancen mitzuberücksichtigen.

       

    • Zur sorgfältigen Vermögensverwaltung gehört auch die Überwachung der Anlagestrategie und der getätigten Anlagen (siehe Art. 50 Abs. 1 BVV 2). Anlageentscheide und -strategien müssen daher anhand der aktuellsten Daten aus Politik und Wirtschaft, mithin auch anhand der Entwicklungen von Anlagerisiken - wozu gemäss Annahme auch Klimarisiken gehören - die sich aufgrund von regulatorischen Veränderungen, neuen Industrie-Standards und -Policies ergeben können, überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
    • Um insbesondere der gesetzlichen Verpflichtung zur jederzeitigen Sicherung der übernommenen Verpflichtungen (Art. 65 Abs. 1 BVG) oder zur periodischen Überprüfung der mittel- und langfristigen Übereinstimmung zwischen der Anlage des Vermögens und den Verpflichtungen (Art. 51a Abs. 2 lit. n BVG) nachzukommen, ist sodann die Ausgestaltung interner Prozesse zur Erfassung, Bewertung und Steuerung relevanter Risiken, wozu auch Klimarisiken gehören, unabdingbar. Ein sorgfältiges Risikomanagement beinhaltet nämlich eine angemessene interne Kontrolle (vgl. Art. 35 Abs. 1 BVV 2), die die korrekte Abwicklung der Vermögensanlage und deren laufende Risikobeurteilung sicherstellt.

    Folglich ist den Klimarisiken durch Risikomanagement via Umschichtungen auf Portfolioebene zu begegnen. Mit intelligenter Umstrukturierung lassen sich gleichzeitig die Opportunitäten der grünen Transition (Klimachancen) wahrnehmen.

  • Die finanziellen Klimarisiken und -chancen sind materiell

     

    Risiken

     

    Der Pensionskassenverband ASIP empfiehlt in seinem Leitfaden für die Vermögensanlage (Juli 2018): “ESG-Risiken und Klimarisiken sind ... Teil der ökonomischen Risiken und müssen im Rahmen der Definition der Anlagestrategie entsprechend analysiert werden”.

     

    Wie aus einem Beitrag in der NZZ von Oktober 2018 hervorgeht, steht auch beim Verband der Fonds- und Vermögensverwalter SFAMA das Thema der Klimarisiken und der Renditechancen klimaverträglicher Investitionen auf der Tagesordnung: “Dass Klimarisiken berücksichtigt werden, ist mehr als ein Trend und soll richtigerweise aufgenommen werden”.

     

    Auf der höchsten globalen Ebene stufen die Empfehlungen der UN Principles of Responsible Investment den Klimawandel als wirtschaftlich hoch prioritär ein: “Climate change is the highest priority ESG issue facing investors”.

     

    Spezifisch für die Pensionskassen bestätigt der britische Pensionskassenverband Pensions and Lifetime Savings Association (PLSA) in seinem Framework for Pension Fund Action on Climate Change (Dezember 2017), dass die Klimarisiken wie auch die Opportunitäten der Dekarbonisierung auch in der kurzen Frist materiell sind. Er bezieht sich darin auf die Erwartungen der Aufsichtsbehörde The Pensions Regulators (TPR): “Guidance from TPR makes clear that pension fund governance bodies should consider the impact of climate change on their investments”. In den PLSA-Empfehlungen wird dargelegt, dass die für den Klimaschutz nötige ökonomische Transition bedeutende Auswirkungen haben wird. Die negativen Effekte wie auch die Chancen seien relevant sowohl für die Firmen als auch für die Pensionskassen, die ihre Aktien und Anleihen kaufen: “New technologies will replace those that are incompatible with decarbonisation, while policies designed to reduce greenhouse gas emissions may make a number of companies’ existing business models unviable.” Die PLSA unterstreicht schliesslich die hohe Dringlichkeit der Berücksichtigung der Klimarisiken: “Much of the research on climate change rightly highlights the major long-term economic impact of climate change. However, this should not be misunderstood to indicate that it is not an immediate priority for pension funds”. Der britische Pensionskassenverband spricht Markt-Schocks an, welche die Vorsorge-einrichtungen mit ihrem typischen Aktienportfolio von 40% hart treffen könnten: es werden permanente Verluste von mehr als 25% innert 5 Jahren nach Eintreten des Ereignisses postuliert.

     

    Chancen

     

    Wie die britische Pensionskassenverband PLSA im besagten Framework for Pension Fund Action on Climate Change bekräftigt, ergeben sich aus der Energie- und Klimatransition auch Klima-Opportunitäten: “...there will be opportunities for companies involved with the development of renewable technologies and other products and services that enable lower emissions and more sustainable resource use”. Die Empfehlung lautet: “Pension funds that are properly attuned to the economic impacts of climate change and related policy measures will be able to exploit these measures and generate better returns for their members.”


    Eine BAFU-Studie kommt bereits 2016 zum Ergebnis: acht von elf klimafreundlichen Indizes wiesen ein besseres Rendite/Risiko-Verhältnis gegenüber dem jeweiligen Vergleichsindex auf. Die Rendite war gar in zehn von elf Fällen besser.

     

    Fazit: Der Financial Case für ESG und Klima ist evident

     

    Die finanziellen Klimarisiken sind materiell, sie sind deshalb zu berücksichtigen.

     

    Art und Mass der Betroffenheit des eigenen Portfolios ist zu evaluieren. Aus dieser Analyse ist eine ESG-/Klimastrategie mit Massnahmenplan zu konzipieren.

     

    Die Opportunitäten der Energie- und Klimatransition sind unter dem Aspekt der Erzielung der bestmöglichen risikogewichteten Rendite sorgfältig zu evaluieren und wahrzunehmen.

     

    Umsetzung

     

    ESG-Investieren und Dekarbonisierung gehen Hand in Hand. Das Nachhaltigkeitsrating der Unternehmen erfasst - wenn den besten Qualitätsstandards entsprechend - auch das Kriterium der CO2-Intensität. Eine intelligente, nachhaltig gewichtete Diversifikation anstelle der konventionellen Ausrichtung am Tracking Error zu Markt-Benchmarks reduziert die Klimarisiken, erhöht die Chancen auf Renditen und bringt das Portfolio besser in Linie mit den UN-Sustainable Development Goals und dem Pariser Abkommen. Da ein substanzieller Teil der Firmen nicht nachhaltig wirtschaftet, reduziert sich entsprechend das erlaubte Anlageuniversum.

     

    Mit einer effektiven ESG-Integration in den Anlageprozess lassen sich sowohl Performance als auch Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit steigern.

     

    Diese Art von ESG-Integration kann durch aktive individuelle Selektion der Unternehmen und Staaten, sowie durch Entscheid über Gewichtung von deren Wertschriften im Portfolio geschehen. Sie beruht auf ESG-Ratings und CO2-Daten von Dienstleistern (z.B. "Best-in-class" Ansatz). Bei passivem Anlegen kann dies durch die Abbildung eines ausreichend weit greifenden ESG-Indexes umgesetzt werden. Mischformen dieser Ansätze sind ebenfalls zielführend.

     

    Dass ESG und Klimaverträglichkeit gut für die Renditen sind, zeigt beispielsweise die Untersuchung der nachhaltigen Pendants zu den globalen MSCI ACWI Indizes (All Countres World Indices). Wenn die Selektion genug eingreifend ist, dann schneiden sie im Vergleich zum konventionellen Weltmarkt-Index besser ab:

    • Der Index MSCI ESG Universal reduziert das Anlageuniversum von total rund 2800 Firmen nur um 100 "Sin Stocks". Die Performance ist nicht merklich besser als der Markt: hier. Der nachhaltige Eingriff muss also mehr als nur den Ausschluss der wenigen besonders umstrittenen Firmen umfassen - bei diesem "ESG Universal" Index sind das insbesondere Produzenten von Streubomben und Landminen.
    • Mit dem MSCI Climate Change wird auf die Unternehmen fokussiert, deren Geschäftsmodell infolge der Klimaerhitzung in Frage gestellt ist. Sie werden im Masse ihrer Klima-Exposition untergewichtet; Akteure der Energietransition werden übergewichtet. Die Performance ist signifikant besser als der Markt: hier
    • Der MSCI ESG Leaders Index reduziert nach einem Best-in-class Ansatz das Anlageuniversum von total rund 2800 auf etwas mehr als 1200 Firmen. Kernenergie, alle Waffen, Tabak und ähnliche sind ausgeschlossen, die übrigen Firmen werden in Funktion ihres ESG-Ratings  im investierbaren Universum behalten oder ausgeschlossen. Bemerkenswert ist die Korrelation des ESG-Rating mit dem CO2-Rating, wie der Erfolg der Pensionskasse des Kantons Luzern LUPK zeigt: dank der Anwendung dieses MSCI ESG Leaders Index hat die LUPK die Reduktion ihrer CO2-Intensität um 30% im Vergleich zu Weltmarktdurchschnitt erreicht. Die Performance ist signifikant besser als der Markt: hier

    Wenn sie genügend weit greifend sind, bringen die grünen Investitionsansätze (ESG-/Low Carbon) bereits heute bessere risikoadjustierte Renditen und senken gleichzeitig die CO2-Intensität des Portfolios. Sie beruhen auf einer innovativen, nachhaltig gewichteten Diversifikation.

     

    Die Pensionskassen sind aufgefordert, mit ESG-Investieren einen Pfad der Dekarbonisierung ihrer Wertschriftenanlagen einzuleiten.

     

    Mehr dazu in der Präsentation der Klima-Allianz für Pensionskassen zum Financial Case für nachhaltige und klimaverträgliche Investitionen: hier

     

    Rolle des Engagement

     

    Die Klima-Allianz betrachtet das Investor Engagement ("Engagement") der Pensionskassen, sprich das Wahrnehmen ihrer Verantwortung als Miteigentümer der Firmen, als essenzielles Element ihrer Verpflichtung gegenüber ihren Destinatären, ihren Anspruchsgruppen und der Gesellschaft. Dieses aktive Aktionariat (englisch Active Ownership oder Stewardship) hilft den Pensionskassen, bei den Unternehmen in welche sie investieren die ESG-Risiken anzugehen, und so diese Risiken in ihren Portfolios zu vermindern.

     

    Das aktive Aktionariat trägt auch dazu bei, die Nachhaltigkeit und den gesamtgesellschaftlichen Nutzen vieler Firmen zu erhöhen. Dieses Engagement ist folglich bei einer Vielzahl von Sektoren und Firmen angebracht. Bedingung für ein Engagement mit Wirkung ist aber, dass die Geschäftsmodelle der Unternehmen gute Perspektiven für eine ständige Verbesserung ihrer Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit bieten. Ein wichtiger Aspekt des aktiven Aktionariats ist die konsequente Ausübung der Stimmrechte. Wenn die Engagement-Aktivitäten und die Ausübung der Stimmrechte konsistent sind, wird die positive Wirkung der beiden Instrumente verstärkt.

     

    Im Feld der NachhaltigEinsatz für grundlegende Menschenrechte betreibt beispielsweise der Dienstleister Sustainalytics (früher GES) im Auftrag des Schweizerischen Verbandes für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK) mit dem Kampf gegen die Kinderarbeit in der Kakaobranche ein effektives Engagement.

     

    Generell kann ein wirksames Engagement Investoren und ESG-Ratingdienstleistern Entscheidungsgrundlagen zum Risikomanagement liefern. Besonders bei der Betrachtung der Klimaverträglichkeit geht es schlussendlich um den Entscheid, in die fraglichen Unternehmen investiert zu bleiben, ihr Gewicht im Portfolio zu reduzieren oder die Wertschriften zu verkaufen. Dazu müssen die Firmen Informationen zur projizierten Entwicklung ihres Einflusses auf das Klima liefern (CO2-Intensität, Klimarisiken des Geschäftsmodells).

     

    Im engeren Feld der sehr kohlenstoffintensiven Industriesektoren sollten Engagement und Dekarbonisierung des Portfolios (braunes Divestment und grünes Investment) in Kombination betrachtet werden. Abhängig von der Beurteilung der Perspektiven für eine Weiterentwicklung des Geschäftsmodells hin zum CO2-armen Wirtschaften sind sowohl Engagement wie auch Divestment sowie ihre intelligente Kombination valable Optionen.

     

    Einerseits steigert eine global zunehmend mächtigere Ausstiegswelle - mit getätigten und mit angedrohten Divestments - die Wahrnehmung der Klimarisiken in der Finanzwelt. Wenn immer mehr Marktteilnehmer ihre Investitionen in die Firmen der fossilen Energien zurückfahren, verknappen sich die Finanzmittel für die fossilen Firmen; damit kann ein Prozess eingeleitet werden, dass sich diese selbst zum kontrollierten Rückbau entschliessen müssen - oder zum grünen Umbau, wenn sie es denn rechtzeitig schaffen.

     

    Andererseits kann ein mit der Absichtserklärung zum Ausstieg gekoppeltes Engagement, das an Bedingungen geknüpft und zeitlich mit Meilensteinen und Fristen unterlegt ist, firmenintern einen Schub an Veränderungen anstossen, welche die CO2-Intensität der Firma senken und somit zur Dekarbonisierung des Portfolios beitragen; die Erfolgswahrscheinlichkeit erscheint je höher, desto mehr das Geschäftsmodell - Firmenstrategie, Unternehmenskommunikaton und Investitionspläne - Spielraum für eine grüne Wende offenlässt.

     

    Wenn aber Engagement die einzige Handlungsachse bleibt, sind damit Gefahren verbunden, deren sich die Vorsorge-einrichtungen bewusst sein sollten. Zum einen, wenn zu lange auf eine erhoffte dekarbonisierende Wirkung des Engagements gesetzt wird, ohne die Wertentwicklung zu beachten: kohlenstoff-exponierte Anlagen können schnell illiquid werden und klimabedingte Wertverluste stellen sich ein. Ist der Anleger zu spät ausgestiegen, hat er Abschreiber vorzunehmen. Ein ausbleibender Blick auf den Financial Case für nachhaltiges und klimaverträgliches Anlegen versperrt zudem die Wahrnehmung aufkommender Performance-Opportunitäten der Energietransition.

     

    Der klimaorientierte Aktionärsdialog erscheint besonders zielführend bei den Unternehmen, deren Entwicklungspotenzial zur klimaverträglichen Ausrichtung durch eine substanzielle Senkung des CO2-Fussabdrucks gegeben ist. Dies sind Unternehmen im Bereich der fossilen Energieträger, bei welchen die die Aussichten auf eine zeitnahe Anpassung des Geschäftsmodells im Einklang mit der Energiewende als gut eingeschätzt werden. Dies ist für Unternehmen im Bereich der Kohleförderung sowie Rohstofffirmen, welche hauptsächliche Kohle abbauen, grösstenteils nicht gegeben, somit ist Divestment prioritär. Im Feld der Elektrizitätsversorger sind die stark fossil-abhängigen Firmen besonders unter die Lupe zu nehmen und sorgfältig abzuwägen, ob ein Engagement der Paris-Ausrichtung wirklich dienlich ist. Bei Unternehmen mit bereits wesentlichen Anteilen an erneuerbaren Energien ist Engagement erste Wahl. Divestment wiederum ist angebracht bei vorwiegend von Kohle abhängigen Stromproduzenten. Mehr zu den Industriesektoren, bei welchen klimaorientiertes Engagement dienlich erscheint, ist in Empfehlung 5 zu finden: hier.

     

    Je höher die CO2-Risiken der Firmen und deren vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten sind, desto mehr Gewicht ist auf exakte Zielformulierung, Stringenz, Effizienz und Wirkungskontrolle des Investor’s Engagement zu legen. Bei ausbleibenden Fortschritten sollten eine fortschreitende Untergewichtung im Portfolio und letztendlich Ausstiegsfristen festgelegt werden. Im Falle der Produzenten von Kohle, Erdöl- und Erdgas sowie der der stark Kohle-abhängigen Stromversorger ohne klare Dekarbonisierungsstrategie und damit ohne einhergehende Anpassung des Geschäftsmodells sollte zeitnahes Divestment prioritär ins Auge gefasst werden, nicht zuletzt aus Risikoüberlegungen.

     

    Mehr dazu in der Präsentation zur Position der Klima-Allianz zum Engagement: hier

    Vorgehensweise

     

    Die Klima-Allianz erwartet von den Pensionskassen, dass sie eine Nachhaltigkeits- und Klimastrategie konzipieren und umsetzen, die sich an den nachfolgenden Empfehlungen orientiert.

     

    Selbstverständlich legt jede Pensionskasse ihren eigenen Weg fest. Sie entscheidet über das passende Vorgehen und die optimale Prioritisierung. Die Reihenfolge der Einführung der empfohlenen Massnahmen kann variieren.

     

    Zielführende Nachhaltigkeitsberatung und -begleitung ist bereits am Markt verfügbar. Beispiele hier (Best practice) oder hier.

     

    Wichtig ist, dass die Pensionskasse, falls sie mit Consultants zusammenarbeitet, deren Fachkompetenz die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse im Sustainable Investing einschliesst:

    • Consultants müssen sich bewusst sein, dass ihre Funktion, die Verantwortlichen der Vorsorgeeinrichtung in der Erfüllung ihrer treuhänderischen Sorgfaltspflicht abzusichern, gemäss dem Rechtsgutachten Niederer Kraft Frey (NKF) ebenfalls die Klimarisiken und -chancen einschliesst.
    • Sie müssen gewillt sein, Anfragen der Institution zur Bewertung der Risiken und Chancen eines Übergangs zur nachhaltigen und klimaverträglichen Anlage durch wissenschaftsgestützte Finanzberatung proaktiv zu erleichtern. Sie sollten die Erkenntnisse der ESG-orientierten Finanzwissenschaft in ihren Ansatz integrieren. Zudem sollten sie in der Lage sein, die gesamte Palette der möglichen Umsetzungsvarianten und Vorgehensweisen vorzustellen. Consultants, die von sich aus die Beschäftigung mit dem Nachhaltigkeitsthema ansprechen, stehen im Vordergrund.
    • Berater sollten die Science Based Targets anerkennen; dieser Weltstandard fundiert auf der Befolgung wissenschaftlich begründeter Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen entsprechend dem Pariser Klimaabkommen; bereits bekennen sich über 600 globale Unternehmen zu einem so ermittelten Zielpfad, darunter auch Banken, Versicherungen und andere Finanzunternehmen. Finanzberater sollten denselben gesellschaftlichen Weitblick in ihre konkrete Beratertätigkeit für Pensionskassen einbinden.
    • Sie müssen weiterhin die volle Übersicht über die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Performance des nachhaltigen Anlegens haben. Spezifisch wichtig ist das Wissen über die risikoadjustierten Renditen von Nachhaltigkeits-und Klima-Portfolien im Vergleich zum gesamten Anlageuniversum des Marktes. Derartige ESG-Portfolien werden, wie bereits erwähnt, aufgrund von ESG-Firmendaten und durch Positivkriterien, z.B. mit Best-in-class-Ansätzen konstruiert. Beispiele: hier (MSCI-Studie zu ESG) und hier (BAFU-Studie zu Performance und Klimawandel).
  • Empfehlungen sind Grundlage des Klima-Ratings

    Das Pensionskassen-Rating der Klima-Allianz fundiert auf den vorliegenden Empfehlungen.

    1. Das eigentliche Klima-Rating untersucht die tatsächlich durchgeführten Massnahmen der Dekarbonisierung.
    2. Der ergänzende Aspekt "Tendenz 2018-2020" würdigt die Bewegung der Pensionskasse auf ihrem Pfad zur nachhaltigen und klimaverträglichen Anlagepolitik.

    Unter jeder der nachfolgenden Empfehlungen ist spezifiziert, für welchen Aspekt ihre Erfüllung in das Rating einfliesst - eigentliches Klima-Rating und/oder die ergänzende Tendenz 2018-2020.

     

    Wenn erste Dekarbonisierungschritte umgesetzt wurden (Schritt 4), oder wenn die Vorsorgeeinrichtung einen Paris-kompatiblen Pfad zur Dekarbonisierung eingeschlagen hat (Schritt 7), dann fliessen diese in das Hauptrating ein.

     

    Der jeweilige Grad der Umsetzung von Schritt 1 (ESG-Politik), Schritt 2 (Nachhaltigkeitsgrundsätze mit Klimastrategie), Schritt 3 (Beitritt zu Vereinigungen für Nachhaltigkeit), Schritt 5 (Klimawirksames Engagement) und Schritt 6 (Bestimmung des CO2-Fussabdrucks oder Klima-Szenarioanalyse) geht mit einem bestimmten Gewicht in das ergänzende Rating Tendenz 2018-2020 ein. Dasselbe gilt, wenn erste oder weitergehende Dekarbonisierung (Schritt 4 respektive 7) konzipiert wird oder gar im Plan ist. Bei jedem der besagten Schritte ist aufgeführt, mit welchem Gewicht die Erfüllung ins Gesamtrating einfliesst. Für die Einstufung werden die einzelnen Anteile aufsummiert.

     

    Auf Anfrage sind bei der Klima-Allianz die Details der Aufrechnung erhältlich: hier oder hier.

  • Empfehlungen der Klima-Allianz:

    Der 7-Punkte-Plan zur Klimaverträglichkeit

     

    Stand: November 2019

    Autor: Sandro Leuenberger sandro.leuenberger@klima-allianz.ch

     

    Grundsätze der Nachhaltigkeits-/ESG-Politik festlegen

     

    Massgebend für ergänzenden Rating-Aspekt: Tendenz 2018-2020.

     

    Gewicht: niedrig.

    ____________________

     

    Mehrere Institutionen haben sich bereits allgemeine Regeln gegeben, die ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) als zusätzlichen Faktor neben den klassischen Dimensionen der Anlagepolitik (Liquidität, Sicherheit und Ertrag) einführen.

    Die Einführung der Nachhaltigkeit in der Form eines z.B. im Anlagereglement verankerten Grundsatzes ist ein Startpunkt für die Implementierung gemäss der nachfolgenden Empfehlungen. Konkretere Festlegungen sollten z.B. in einer Nachhaltigkeits-Charta oder mittels eines Credos publiziert werden. Sie sollten der Öffentlichkeit auf der Website zugänglich gemacht werden.

    Rechtsgutachten NKF beachten, Klimastrategie einbinden in Nachhaltigkeits-/ESG-Politik

     

    Massgebend für ergänzenden Rating-Aspekt: Tendenz 2018-2020.

     

    Gewicht:

    • niedrig, wenn erst unverbindliche Grundsätze festgelegt sind,
    • mittel, wenn eine Klimastrategie in Umsetzungbestimmungen publiziert ist.

    ____________________

     

    Mehrere Pensionskassen haben bereits öffentlich kundgetan und/oder durch faktische erste Dekarbonisierungsmassnahmen bewiesen, dass sie die Klimarisiken als Teil ihrer treuhänderischen Sorgfaltspflicht einbeziehen. Die Festsetzung einer Klimastrategie oder einer Klimapolitik sollte integrierender Bestandteil der veröffentlichten Festlegungen z.B. einer detaillierten Nachhaltigkeits-Charta oder eines Credos sein. Aufgrund des Rechtsgutachtens NKF sollten sie die zukünftige Evolution zu Massnahmen der zur Dekarbonisierung erleichtern.

    Vereinigungen für Nachhaltigkeit beitreten

     

    Massgebend für ergänzenden Rating-Aspekt: Tendenz 2018-2020.

     

    Gewicht:

    • niedrig, bei Beteiligungen, mit denen wenig eigene Klima-Verpflichtungen verbunden sind,
    • mittel, bei Beteiligungen, die klimarelevante Tätigkeiten der Pensionskasse auslösen, insbesondere wenn das Engagement die Bekenntnis zur Messung der C02-Emissionen oder zur Portfolio-Dekarbonisierung beinhaltet).

    ____________________

     

    Die Mitgliedschaften bei Vereinigungen wie Ethos und Swiss Sustainable Finance sind wichtige Elemente, damit die Anlageverantwortlichen sich eine Übersicht über die ESG-Thematik verschaffen und sich das erforderliche Know-how für eine Nachhaltigkeits- und Klimastrategie erarbeiten können.

     

    Durch die Unterzeichnung der UN-Principles of Responsible Investing (UN-PRI) verpflichten sich Vorsorgeeinrichtungen und Vermögensverwalter zur Erweiterung ihrer Governance und ihrer Anlagestrategie um die ESG-Faktoren und zum entsprechenden Reporting, wie sie diese umsetzen. Damit begeben sie sich zum Startpunkt eines Weges zur fortschreitenden Anwendung der ESG-Kriterien.

     

    Die Mitgliedschaft in der Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC) setzt ein Zeichen, dass sich die Kasse für die globale Zusammenarbeit und für das Ziel einer kohlenstoffarmen Wirtschaft einsetzt. Damit bekennt sie sich ebenfalls dazu, dass ihre treuhänderische Sorgfaltspflicht die Berücksichtigung der Klimarisiken einschliesst. Teil davon ist etwa die Minimierung der Risiken, dass die Investitionen unerwartet an Ertragskraft und Marktwert verlieren, somit Wertberichtigungen vorgenommen werden müssen ("Stranded Assets").

     

    Mit der Beteiligung am ETHOS Engagement Pool Schweiz, am ETHOS Engagement Pool International, am SVVK oder gleichwertigen externen Dienstleistern bündelt die Vorsorgeeinrichtung ihre Kräfte mit anderen institutionellen Anlegern, um ihren Einfluss als Aktionär wahrzunehmen. Ausgewählte, gemäss ESG-Kriterien tief bewertete Unternehmen werden mit Stimmrechtsausübung an Generalversammlungen sowie mit direkten Briefen, Anträgen und Dialog zu mehr Nachhaltigkeit aufgefordert.

     

    Pensionskassen-spezifisch klimawirksam ist die Teilnahme am Montreal Carbon Pledge, weil sich die Pensionskasse verpflichtet, den CO2-Fussabdruck der Portfolien regelmässig zu messen.

     

    Vorreiter-Investoren (Versicherungen, Pensionskassen, Banken), darunter Swiss Re und Zurich Insurance Group, bilden den Kern der UN-Initiative Net Zero Asset Owner Alliance: "The members of the Alliance commit to transitioning their investment portfolios to net-zero GHG emissions by 2050 consistent with a maximum temperature rise of 1.5°C above pre-industrial temperatures". Sehr klimawirksam ist die Verpflichtung der Teilnehmer zum Reporting des Fortschrittes in ihrer Dekarbonisierung der Portfolien.

     

    Herausragend ist die Mitgliedschaft in der Portfolio Decarbonisation Coalition der Investoren und Asset Manager, da diese eine kritische Masse von Investoren - besonders von Pensionskassen - generieren will, die mit dem guten Beispiel vorangehen und ihre Portfolio-Anlagen sukzessive dekarbonisieren.

    Erste Schritte der Portfolio-Dekarbonisierung planen, konzipieren und durchführen

     

    Wenn geplant und konzipiert, massgebend für ergänzenden Rating-Aspekt: Tendenz 2018-2020.

    Gewicht: mittel

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    Wenn bereits durchgeführt und öffentlich kommuniziert, und das Ausmass ausreichend ist, lautet die Haupteinstufung: ORANGE

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    Eine Reihe von Pensionskassen, die schätzungsweise 15% des totalen Anlagevolumens der Vorsorgeeinrichtungen der Schweiz darstellen, hat sich bereits von Kohlefirmen (Produzenten und/oder Stromerzeuger) getrennt. Eine Vorsorgestiftung hat begonnen, auf Green Impact Investing bei den Alternativen Anlagen zu setzen, und dekarbonisiert damit ebenfalls ihr Wertschriften-portfolio. Die nachhaltige Pionier-Pensionskasse LUPK hat ihr Aktien- und Obligationenportfolio nach "Best Practice" Gesichtspunkten gemäss ESG-Kriterien und damit auch klimaverträglich umgeschichtet. Die Sammelstiftung NEST ist seit langem nachhaltig und ihr CO2-Fussabdruck ebenfalls "Best Practice". Dies beweist die Machbarkeit der Dekarbonisierung des Portfolios bei Erhaltung des Gebots der Diversifikation und der Gesetzeskonformität.

     

    Vermögensverwalter müssen ein Grundverständnis und die Kompetenz für das Investieren aufgrund von ESG- und Klimakriterien haben. Deshalb sollten die Pensionskassen a priori nur Vermögens-verwalter und Fondsanbieter selektionieren, welche die UN-Principles of Responsible Investing (UN-PRI) unterzeichnet haben, oder aber die in der Praxis seit langem nach Best Practice Standards investieren. Von den bestehenden Asset Managern und Fondsverwaltern sollten sie den Beitritt zu den UN-PRI verlangen. Damit verpflichten sich Vermögensverwalter zur Erweiterung ihrer Governance und ihrer Anlagestrategie um die ESG-Faktoren und zum entsprechenden Reporting, wie sie diese umsetzen.

     

    Den Vermögensverwaltern der Anlagesegmente, die zur Umsetzung erster Schritte gewählt werden, sollten geeignete Vorgaben zur Dekarbonisierung gemacht oder Erwartungen zu diesem Ziel ausgesprochen werden. Instruktionen für Ausschlüsse können passend sein, oder die Vorgabe klimawirksamer ESG-Benchmarks und/oder Gebrauch von Finanzprodukten auf Basis von ESG-Indizes wie die MSCI ESG Leaders Familie. Es erscheint sinnvoll, bereits zu Beginn ein Controlling mit Messung der CO2-Intensität des Portfolios gemäss Empfehlung 6 (unten) einzuplanen; dazu gehört die Festsetzung eines CO2-Benchmarks, z.B. des Weltmarktdurchschnitts der jeweiligen Anlageklassen.

     

    Es sollte sichergestellt werden, dass die Investment Controllers und Consultants die Erweiterung der treuhänderischen Sorgfaltspflicht auf Klimarisiken und -chancen im Rahmen der Dekarbonisierungsabsicht kompetent und effizient unterstützen. Mehr dazu ist unter "Vorgehensweise" zu finden.

     

    Die vorausschauende, transparente Information der Öffentlichkeit über geplante CO2-senkende Massnahmen betont die Ernsthaftigkeit der Pensionskasse, sich mit dem Ziel einer fortschreitenden Absenkung in Linie mit dem Pariser Klimaabkommen zu befassen.

    Klimawirksames Engagement und Stimmrechts-ausübung besonders im Ausland (von fossilen Energieträgern abhängige Sektoren)

     

    Massgebend für Rating-Aspekt: Tendenz 2018-2020.

     

    Gewicht:

    • niedrig, bei unterstützender Beteiligung an klimawirksamen internationalen Investoren-Initiativen, die sich an klimarelevante Industriesektoren und/oder Firmen richten, oder welche Regierungen und Politik der Länder zu klimawirksamen Regulierungen aufrufen,
    • mittel, wenn zusätzlich zur Unterzeichnung von globalen Investoren-Initiativen auch ein aktives, kollektives und nachvollziehbar klimawirksames Engagement via Beteiligung an Investoren-Verbänden erfolgt,
    • hoch, bei kollektivem Engagement mit Aktionärsdialog und Wahrnehmung der Stimmrechte, dessen Ziele und Resultate transparent kommuniziert werden und das nachgewiesenermassen klimawirksam ist,
    • sehr hoch, bei kollektivem, transparentem und nachgewiesenermassen klimawirksamem Engagement, welchem durch eine Selbstverpflichtung zum Divestment bei ausbleibender Anpassung des Geschäftsmodells Nachdruck verliehen wird.

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    Die unterstützende Beteiligung bei internationalen Investoren-Initiativen für die Erreichung der Ziele der Pariser Klimaabkommens, etwa der Climate Action 100+ Initiative ist ein einfacher und wirksamer Schritt, um die Dekarbonisierung der massgebenden globalen Unternehmen zu fördern. Diese gewichtige Initiative grosser globaler Investoren erklärt "mit den Unternehmen, in die wir investieren, zusammenzuarbeiten, um sicherzustellen, dass sie die Risiken minimieren und offenlegen und die Chancen des Klimawandels und der Klimapolitik maximieren". Die Initiative fordert von den Unternehmen eine Dekarbonisierung im Einklang mit dem Pariser Abkommen, eine passende Governance-Struktur bei der die Verantwortung für das Thema Klimawandel beim Verwaltungsrat liegt und transparente Berichterstattung zu den Chancen und Risiken des Geschäftsmodells sowie zu den klimabezogen Finanzrisiken auf der Basis der Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures der G20 (TCFD) eingefordert werden. Damit sollen Verhaltensänderungen bewirkt und den Investoren bessere Grundlagen für Anlageentscheide geboten werden.

     

    Auch die Teilnahme an der Investor Decarbonization Initiative von ShareAction ist empfehlenswert; diese Klima-Engagement-Initiative zielt darauf hin, dass Unternehmungen 100 % erneuerbare Energie verwenden, ihre Energieeffizienz steigern und auf elektrische Mobilität umsteigen.

     

    Schliesslich sendet die Unterzeichnung des Global Investor Statement to Governments on Climate Change ein starkes Signal an die Regierungen und die Politik aller Länder. Bis heute fordern über 630 globale Investoren, darunter führende institutionelle Anleger, zeitnah wirksame Massnahmen zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens.

     

    Direktes und wirksames aktives Aktionariat im In und Ausland stützt sich auf zwei Handlungsachsen: das Engagement (Dialog mit Briefen, Eingaben, Telefonaten und physischen Treffen) und auf die Ausübung der Stimmrechte. Dieses aktive Aktionariat ist in jedem Fall sehr wichtig bei einer Vielzahl von Sektoren und Firmen. Bedingung ist aber, dass das Geschäftsmodell der Unternehmen gute Perspektiven für eine wesentliche und kontinuierliche Verbesserungen bezüglich Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit bietet.

     

    Für das Ziel der Ausrichtung der Wirtschaft am 1,5°C-Pfad wie im Pariser Abkommens vorgegeben hat Engagement seine Berechtigung bei Unternehmen aller Sektoren, soweit deren Geschäftsmodell Perspektiven für ein zeitgerechtes Einschwenken auf den 1.5-°C-konformen Klimapfad bietet. Dafür massgebend sind die Senkung des CO2-Fussabdrucks der eigenen Tätigkeit sowie der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette.

     

    Gute Beispiele für Unternehmen mit Entwicklungspotenzial sind zu finden in den Sektoren Stromversorgung, Transport (Strasse, Meer, Luft), Zement, Stahl, Chemie und Nahrungsmittel. Auch die Finanzinstitute sind anzuhalten, ihre Investitionen und Finanzierungen klimaverträglich umzulenken.

     

    Im engeren Feld der besonders CO2-intensiven Industriesektoren - der Produzenten von fossilen Energieträgern und der davon abhängigen Stromerzeuger - sollten klima-effiziente Aktivitäten im Engagement mit besonders hoher Priorität und Stringenz stattfinden.

     

    Das Engagement sollte auf einer klaren Definition von Zielen beruhen, im Einklang mit dem 1,5°C- Pfad, sowie auf einer Wirkungsmessung. Bei ausbleibender Anpassung des Geschäftsmodells ist zeitnahes Divestment aus Risikoüberlegungen angebracht. Im Falle eines sich abzeichnenden Misserfolges sollten eine fortschreitende Untergewichtung im Portfolio und /oder klare Ausstiegsfristen festgelegt werden. Dass es nicht im Widerspruch zum Gebot der Diversifikation steht, "keine Anlagen mehr in die von Klimarisiken betroffenen fossilen Energien" zu tätigen, ist durch das Rechtsgutachten der Kanzlei NKF ausdrücklich abgesichert.

     

    Für die besagten Industriesektoren mit grossen CO2-Risiken sollten bereits zu Beginn des Engagements parallel zum Engagement geeignete Umschichtungskonzepte für das Portfolio entwickelt werden, damit darauf ein Paris-kompatibles Dekarbonisierungziel möglich wird. Lösungen sind etwa progressive Untergewichtung von Sektoren und/oder Firmen (sogenanntes Worst-out), Best-in-class-Selektion oder die Evaluation und Einführung klimaverträglicher Indizes.

     

    Als klimawirksam unter aktuellen "Best Practice" Aspekten" betrachtet die Klima-Allianz etwa das mehrjährige Engagement-Programm des Ethos Engagement Pool International, in dem 8 europäische Elektrizitätsunternehmen mit Aussichten auf Anpassung des Geschäftsmodells aufgefordert werden, sich auf eine kohlenstoffarme Zukunft vorzubereiten. Auch die Aktivitäten von Hermes Equity Ownership Services zuhanden der PKZH sowie ein direktes Engagement durch Übernahme von Teilaufgaben im Rahmen der Climate Action 100+, praktiziert durch die BVK, sind ein gutes Beispiel.

     

    Mehr dazu ist der Präsentation "Kombination von Engagement und Divestment* zu entnehmen, welche die Position der Klima-Allianz zum Investor's Engagement dargelegt.

     

    Die Pensionskasse sollte über die Ergebnisse des Engagements transparent informieren und sich im Voraus zum Divestment bei ausbleibender Misserfolg verpflichten.

    CO2-Fussabdruck messen und/oder Klima-Szenarioanalyse durchführen

     

    Massgebend für Rating-Aspekt: Tendenz 2018-2020.

     

    Gewicht:

    • niedrig, bei Ankündigung, dass Analyse im Plan ist,
    • mittel, wenn bereits durchgeführt, 
    • hoch, wenn das publizierte Resultat die Messung des Scope 3 einschliesst.

    ____________________

     

    Für eine quantitative Szenarioanalyse, welche den potenziellen Climate Value at Risk ermittelt, stellt Swiss Sustainable Finance die Anleitung “Measuring Climate-related Risks in Investment Portfolios” zur Verfügung. Eine Liste von Anbietern ist in Tabelle 3 auf Seite 8 zu finden. Damit erhalten Pensionskassen Entscheidungsgrundlagen in Form der potenziellen Wertverluste pro Industriesektor und pro Unternehmen auf ihren Portfolios. Zudem erhalten sie Informationen zu den zukünftigen Gewinnpotenzialen (etwa der Sektoren und Firmen, die an der grünen Energietransition beteiligt sind).

     

    Die Ermittlung des CO2-Fussabdrucks (CO2-Intensität des Portofolios) setzt entweder den Ist-Zustand als Referenz fest und/oder sie misst den Erfolg von bereits durchgeführten Massnahmen im Vergleich zu einem Markt-Benchmark. Beispiele für kompetente Dienstleister sind hier und hier zu finden; beide schliessen den Scope 3 ein. Die nachhaltigen Pensionskassen LUPK und NEST sowie die PKZH, die sich ein definiertes Klimaziel bei ihren Aktien gesetzt hat, zeigen, wie es geht.

     

    Bei beiden Ansätzen sollte die Ermittlung der Exposition die gesamte Wertschöpfungskette der Unternehmungen, also die Treibhausgasemissionen Scope 1, 2 und 3 einschliessen. Der Einbezug des Scope 3 ist zur Abschätzung der finanziellen Klimarisiken besonders wichtig. Nur damit werden bei den Produzenten fossiler Energieträger die Emissionen der nachfolgenden Verbraucher erfasst (also insbesondere das Verbrennen von Erdöl und Erdgas in Industrie, Transport und Gebäuden). Auch wenn derzeit zur Ermittlung des Scope 3 einige Datenlücken noch durch Schätzungen geschlossen werden müssen, ist die Publikation des CO2-Fussabdrucks nur auf Basis von Scope 1 und 2 zur Beurteilung der finanziellen Klimarisiken wenig geeignet.

    Portfolio-Dekarbonisierung auf Basis eines Paris-kompatiblen Absenkungspfades planen, kommunizieren und durchführen

     

    Wenn geplant und konzipiert, massgebend für ergänzendes Rating-Feld: Tendenz 2018-2020.

     

    Gewicht:

    • gering, bei Information, das Dekarbonisierungsmassnahmen konzeptuell vorbereitet werden
    • mittel, bei Selbstverpflichtung zu einem Ziel, das nachvollziehbar - vorzugsweise begründet auf CO2-Messung - dokumentiert oder zuverlässig erkennen lässt, dass die Vorsorgeeinrichtung mit ihrem Aktien- ODER Obligationenportfolio mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 2024 auf einem Paris-kompatiblen Dekarbonisierungspfad ist; als Paris-kompatibel betrachtet die Klima-Allianz  eine maximale CO2-Intensität von 30% des respektiven Weltmarkt-Benchmarks (Basis Scope 1, 2) respektive 50% des Weltmarkt-Benchmarks (mit Scope 3),
    • hoch, bei Selbstverpflichtung zu einem Ziel, das nachvollziehbar und begründet auf CO2-Messung dokumentiert, dass die Vorsorgeeinrichtung mit hoher Wahrscheinlichkeit mit ihrem Aktien- UND Obligationenportfolio bis 2024 eine maximale CO2-Intensität von 30% des respektiven Weltmarkt-Benchmarks (Basis Scope 1, 2) erreichen oder übertreffen kann, und somit auf dem Weg zur "Best Practice" Pensionskasse ist,
    • sehr hoch, wenn die obgenannte Selbstverpflichtung auf dem Aktien- UND Obligationenporfolio begründet auf CO2-Messung unter Einschluss von Scope 3 erfolgt, und die Vorsorgeeinrichtung das Ziel einer maximalen C02-Intensität von 50% des Weltmarkt-Benchmarks (Basis Scope 1, 2, 3) erreichen oder übertreffen kann, sie somit auf dem Weg zur "Best Practice" Pensionskasse ist.

    ___________________

     

    Wenn weitere Schritte bereits durchgeführt, gemessen und publiziert wurden, die gemäss "Best Practice" in Linie mit einem Paris-kompatiblen Dekarbonisierungspfad sind, oder die Pensionskasse seit langem nachhaltig und "fossil-frei" ist, dann lautet die Haupteinstufung (Dekarbonisierung): GRÜN

    ____________________

     

    Die nachhaltige Pensionskasse LUPK und die PKZH, die sich ein definiertes Klimaziel bei ihren Aktien gesetzt hat, haben sich bereits zur weiteren Absenkung der CO2-Intensität verpflichtet.

     

    Dabei haben sie eine intelligente, grün gewichtete Diversifikation anstelle der konventionellen Ausrichtung am Tracking Error zu konventionellen, klimaexponierten Markt-Benchmarks gewählt.

     

    Alle kohlenstoffintensiven (Sub-)Sektoren und Unternehmen, deren Aussichten auf eine Wende im Geschäftsmodell nicht gegeben sind, sollten nicht oder allenfalls nur noch befristet im Portfolio (Aktien, Obligationen) gehalten werden. Hochsensitive Sektoren sollten sich nicht im Portfolio befinden. Dies betrifft insbesondere die Förderer von Kohle (eingeschlossen die Rohstofffirmen mit mehr als 5% Anteil von Kohle) und die Stromerzeuger mit mehr 5% Abhängigkeit von Kohle als Energieträger.

     

    Die Anlageverwalter müssen eine hohe Kompetenz im nachhaltigen und klimaverträglichen Investieren aufweisen. Deshalb sollten die Pensionskassen a priori nur Vermögensverwalter und Fondsanbieter selektionieren, welche die UN-Principles of Responsible Investing (UN-PRI) unterzeichnet haben, oder aber die in der Praxis seit langem nach Best Practice Standards investieren. Es sind ihnen präzise Vorgaben zur Dekarbonisierung zu machen, oder Erwartungen zu diesem Ziel auszusprechen. Dies kann etwa in der Form von klimawirksamen ESG-Benchmarks und/oder Gebrauch von Finanzprodukten auf Basis von ESG-Indizes wie die MSCI ESG Leaders Familie und/oder entsprechender Selektionskriterien (z.B. mit Positivansätzen wie "Best-in-class) erfolgen. Das Controlling mit Messung des CO2-Fussabdruckes durch kompetente Dienstleister (Beispiele hier und hier, welche beide den Scope 3 einschliessen) misst den Erfolg der Anlageverwalter im Vergleich zum CO2-Benchmark des Weltmarktdurchschnitts der respektiven Anlagesegmente.

     

    Die Selektion, die Vorgaben und das Monitoring der internen und externen Anlageverwalter sollten pro Anlagekategorie oder -segment überprüft und wo erforderlich angepasst werden.

     

    Die Klima-Allianz stuft als "Best Practice" mit Haupteinstufung GRÜN eine oder beide der folgenden Massnahmen ein:

    • die Pensionskasse hat nachvollziehbar dokumentiert, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 2024 mit ihrem Aktien- und Obligationenportfolio eine maximale CO2-Intensität (Basis Scope 1, 2 und 3) von 50% des respektiven Weltmarkt-Benchmarks mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen oder übertreffen kann, 
    • die öffentliche Erklärung, nicht in Unternehmen der fossilen Energien anzulegen.

    Die vorausschauende, transparente Information der Öffentlichkeit über die Selbstverpflichtung zu einem Absenkungspfad mit Mass der Reduktion innerhalb eines definierten Zeitraums unterstreicht den Willen der Pensionskasse, sich an den aktuellen und zukünftigen Umsetzungsmassnahmen zum Pariser Klimaabkommen auszurichten.

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