Gleichheiten/Ungleichheiten – Gerechtigkeit

[Beitrag von Ruedi Meyer, Verein «energiewende ja»]

Anhand von aktuellen, fundierten Quellen werden weltweite Ungleichheiten und Gleichheiten vor allem anhand von Einkommen und Vermögen analysiert, Auswirkungen und Gründe für grosse Armut, aber auch extrem hohe Einkommen und Vermögen aufgezeigt und Perspektiven und Handlungsbereiche für mehr Gerechtigkeit dargelegt.​ In Kürze einige Stichworte:

  • Weltweit bestehen extreme Einkommens- und Vermögensunterschiede: Die «Unteren 50%» verdienen im Schnitt 2.800 € im Jahr, die «Oberen 10%» 87.200 €. Letztere besitzen ausserdem 76 % der Vermögen.
  • Europa weist die relativ geringsten Einkommens- und Vermögensungleichheiten auf, während der Nahe Osten/Nordafrika, aber auch Indien, China, Brasilien besonders hohe Unterschiede zeigen.
  • Historisch nahmen die weltweiten Ungleichheiten mit der Industrialisierung zwischen 1820 und 1900 zwischen Europa/Nordamerika und dem Rest der Welt massiv zu. Seit den 1930-er Jahren wurden die Ungleichheiten in den industrialisierten Ländern mit politischen Massnahmen (Fiskal-, Bildungspolitik, Stärkung der Gewerkschaften etc.) bis 1980 etwas gedämpft, aber ab 1990 nahmen sie aufgrund des Neoliberalismus wieder zu: die Vermögenskonzentration stieg an; Superreiche und Top‑Vermögensschichten erzielten weit höhere Renditen und vergrösserten ihren Anteil am Weltvermögen.
  • Seit 1990 wuchsen die Einkommen weltweit um 283 %, besonders stark in Asien, während sie in Europa und Nordamerika unterdurchschnittlich zulegten. Weltweit kam es zu einer Annäherung von Einkommen und Vermögen. In Schwellenländern hat sich eine neue Mittelschicht herausgebildet, deren Vermögen schneller wächst als jenes der Unter‑ und Mittelschichten in den reichen Ländern.​ Die Mittelschicht fiel im Westen zurück. Gleichzeitig sank die extreme Armut von 29 % (2000) auf 9 % (2024), bleibt aber in Sub-Sahara-Afrika hoch; die Pandemie führte zu einem temporären Anstieg von Hunger.
  • Frauen erwirtschaften nur 35 % des globalen Arbeitseinkommens, verdienen für gleiche Arbeit weniger und sind politisch sowie in Führungspositionen stark unterrepräsentiert.
  • Die «Reichsten 10 %» verursachen fast 50 % der CO₂-Emissionen; Klimafolgen treffen den Globalen Süden überproportional.
  • Ungleichheiten wirken sich auf die Lebenserwartung, Gesundheit und Bildung aus, indem ärmere Bevölkerungsgruppen deutlich schlechtere Chancen, höhere Krankheitsraten und geringere Schulbeteiligung haben.​
  • Grosse Ungleichheiten gefährden demokratische Prozesse, da finanzstarke Gruppen über Medien, Lobbying und Investitionen übermässigen Einfluss auf die Politik ausüben, aber auch strukturell über eine privilegierte Position verfügen.
  • Die technologische Revolution im Bereich IT, die Globalisierung mit den Liberalisierungen begünstigen „Winner-takes-all“ – Märkte, steigern die Einkommen und Vermögen der Superreichen weit überdurchschnittlich und schwächen im Westen die traditionellen Industrien, die vor allem nach Asien verlagert wurden.
  • Für inklusives Wachstum werden Frieden, gute Regierungsführung, funktionsfähige Institutionen, Investitionen in Infrastruktur, Bildung und Energie sowie die Nutzung einer demografischen Dividende als zentrale Voraussetzungen genannt.​
  • Hohe Verschuldung, Steuerflucht, Steueroasen und eine defizitäre globale Finanzarchitektur entziehen Entwicklungs‑ und Schwellenländern dringend benötigte Mittel und verschärfen Ungleichheiten.​ Es werden globale Steuer‑ und Finanzreformen, Klimafinanzierung, Konzernverantwortung und verstärkte internationale Kooperation verlangt, damit Wachstum, Ungleichheit, Klimakrise und Frieden gemeinsam adressiert werden können.