Die breit abgestützte Klima-Allianz hat Bundesrat und Parlament ihre Klimapetition übergeben. 107‘765 Unterzeichnende verlangen, dass die Schweiz ihre Energieversorgung bis 2050 vollständig auf erneuerbare Quellen umstellt und Entwicklungsländer bei Klimaschutz und Anpassungsmassnahmen finanziell unterstützt werden.

 

An einer Medienkonferenz erinnerte Rupa Mukerji, Co-Autorin des Berichts des Weltklimarats (IPCC) und Mitglied der Helvetas-Geschäftsleitung, dass der Klimawandel längst Realität ist: «In Indien ist auf den lebenswichtigen Monsun kein Verlass mehr, Grundwasserspiegel sinken, die Landflucht hat dramatische Formen angenommen.» Werde jetzt nicht in Klimaschutzmassnahmen investiert, so sei bis zum Ende des 21. Jahrhunderts mit einem globalen Temperaturanstieg von über 4 Grad Celsius zu rechnen. Verkraftbar für den blauen Planeten sind maximal 2 Grad.

 

Peter Niggli, Geschäftsleiter von Alliance Sud, der Arbeitsgemeinschaft der Schweizer Hilfswerke, unterstrich, dass der Klimawandel jene am härtesten trifft, die vergleichbar wenig dazu beigetragen haben. In internationalen Abmachungen hat sich die Schweiz verpflichtet, gemäss Verursacherprinzip ab 2020 jährliche Zahlungen an den globalen Klimaschutz zu leisten. Diese werden sich in der Grössenordnung von 1 Mrd. CHF bewegen und müssen neu und zusätzlich geleistet werden, sagte Niggli. Es wäre fatal, wenn dafür Gelder aus der bestehenden Entwicklungshilfe umgeschichtet würden: «Effektive Klimamassnahmen greifen nur, wenn sie in Ergänzung zu herkömmlicher Entwicklungszusammenarbeit zugunsten von Bildung, Gesundheit und Armutsbekämpfung eingesetzt werden.»

 

Hart mit der Schweizer Klimapolitik ins Gericht ging Thomas Vellacott, CEO des WWF Schweiz. Die Schweizer Reduktion der CO₂-Emissionen nach 2020, die der Bundesrat im Hinblick auf die Weltklimakonferenz vom Dezember in Paris in Aussicht gestellt hat, sei völlig ungenügend: «Die EU und selbst die USA sind ambitionierter und wollen doppelt so stark reduzieren wie die Schweiz. Das zeigt, dass der Bundesrat das Ziel der Staatengemeinschaft nicht ernst nimmt, dass die globale Erwärmung 2 Grad nicht übersteigen soll.» Vellacott kritisierte die Haltung, dass Klimaschutz in der Schweiz schwierig sei: «Eine konsequente Energiewende ist fair, machbar und lohnenswert – das beste Modernisierungsprogramm für die Schweiz.»

 

Die Klima-Allianz ist überzeugt, dass die 107‘765 Unterzeichnenden der Klima-Petition die Stimme der Schweizer Mehrheit in der Klimapolitik darstellen. Denn eine unlängst veröffentlichte Univox-Umweltstudie kommt zum Schluss, dass 71% der Befragten finden, die Schweiz müsse mehr für den Klimaschutz tun. Die Forderung der Klima-Allianz, dass die Schweiz einen fairen Beitrag dazu leistet, damit der globale Temperaturanstieg 2 Grad nicht übersteigt, lohnt sich für die Bevölkerung, für die Natur und nicht zuletzt für die Wirtschaft.

Die am 28. Mai 2015 mit 107‘765 Unterschriften eingereichte «Petition für eine gerechte Klimapolitik» (Klima-Petition) zuhanden von Bundesrat und eidgenössischen Räten fordert:

  1. Dass die Schweiz national die Energieversorgung bis 2050 vollständig auf erneuerbare Quellen umstellt, um das Klima zu schützen und die Lebensgrundlagen unserer Nachkommen zu sichern. Wir brauchen einen möglichst schnellen kompletten Ausstieg aus den fossilen Energien inklusive der fossil betriebenen Mobilität, um ein lebenswertes Klima zu erhalten und die globale Erwärmung nicht über gefährliche 2°C steigen zu lassen. Das bedeutet: 40% Reduktion der CO₂-Emissionen bis 2020, 60% Reduktion bis 2030 (gegenüber 1990). 
  2. Dass die Schweiz international jene Entwicklungsländer finanziell unterstützt, die wenig zur Klimaerwärmung beigetragen haben, aber besonders darunter leiden. Klimagerechtigkeit bedeutet, dass die Schweiz diesen Ländern hilft, die Folgen der Klimaerwärmung besser zu verkraften und sich klimaverträglich zu entwickeln. Die an der wirtschaftlichen Stärke gemessene Finanzierung darf nicht auf Kosten der Armutsbekämpfung gehen und muss zusätzlich zur Entwicklungshilfe budgetiert werden. 
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