Übersichtsanalyse nachhaltiger Fonds: Warum die Finanzwelt nicht auf Kurs ist – und wie Anleger:innen trotzdem wirksam investieren können
Nachhaltigkeit in der Finanzbranche: Zwischen Bekenntnissen und Realität
Die Finanzbranche redet viel über Nachhaltigkeit – doch die Realität sieht anders aus. Trotz aller Bekenntnisse zu Klimazielen, Netto-Null 2050 und UN-Nachhaltigkeitsvorgaben fließen noch immer Milliarden in fossile Energien, fossil-abhängige Industrien und nicht-nachhaltige Geschäftsmodelle. Die Flüsse fliessen, ohne dass die Macht als Geldgeber für die Erwirkung der unbedingt notwendigen Transition genutzt wird.
Mit der vorliegenden Übersichtsanalyse fassen wir die Erkenntnisse aus unserer langjährigen interaktiven Arbeit mit Pensionskassen und Vermögensverwaltern zusammen, und stellen unser Tool mit Titel «Nachhaltige und klimaverträgliche Anlagelösungen» vor.
Trotz ihrer grossen Entscheidungsmacht investieren die Pensionskassen noch immer zu wenig in nachhaltige Lösungen. Finanzakteure wie Banken, Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften pushen ihre nachhaltigen Fonds viel zu wenig.
Von den Grossen ist uns nur ZKB/Swisscanto als eigenaktiv bekannt: die Bank hat den Grossteil ihrer konventionellen Fonds von sich aus so umgestellt, dass die finanzierten Treibhausgasemissionen automatisch stärker als der Markt sinken. Wohl nur die Globalance Bank hat sich zum Ziel Netto-Null 2040 verpflichtet.
Konventionelle, fossil-lastige Investments werden – auch wegen der geopolitischen Lage – zunehmend zum finanziellen Risiko, während nachhaltige Fonds trotz ihrer Vorteile noch immer zu wenig genutzt werden.
Die Folge: Der Finanzplatz ist weit davon entfernt, die notwendige Transformation der Wirtschaft zu befördern und zu unterstützen. Das Ziel der Begrenzung der Klimaerhitzung auf 1.5°C ist in Gefahr.
Dass dem so ist, lässt sich anhand unseres Klima-Ratings der Pensionskassen nachweisen. Wir betrachten diese als repräsentative Indikatoren für das Anlageverhalten institutioneller Investoren.
Aktuell sind weniger als 1% der Vorsorgeeinrichtungen in «Dunkelgrün»– gemessen an ihrem Anlagevolumen – so ausgerichtet, dass sie mit dem Pariser Klimaziel von 1,5°C im Einklang stehen. Diese Pioniere müssen dabei die gesetzlich vorgeschriebenen Renditeanforderungen erfüllen. Dennoch investieren sie bereits heute so nachhaltig wie möglich.
Das bedeutet im Umkehrschluss: 99% der Vorsorgeeinrichtungen schöpfen das vorhandene Potenzial für nachhaltige Investitionen nicht oder nur unvollständig aus. Hier besteht also noch erheblicher Handlungsbedarf, um die Investitionsströme zielgerechter auf Nachhaltigkeit auszurichten.
Doch Anleger:innen können durch bewusste Auswahl die Nachfrage nach positiven Investitionen stimulieren – und so die Finanzwelt aktiv transformieren.
Mit unserer Übersicht nachhaltiger Fonds: Gegensteuer geben
Wie eine positive Dynamik bewirkt werden kann, zeigt unser aktuelles Tool: Hier finden Pensionskassen, andere institutionelle Investor:innen sowie private Anleger:innen eine fundierte Auswahl an Fonds, die ökologische und soziale Kriterien mit Renditeanforderungen oder -erwartungen verbinden. Die Zusammenstellung dokumentiert für jeden der über 500 Fonds und jeden der rund 120 Vermögensverwalter den Grad an «Grün», und ermöglicht so eine transparente Abwägung zwischen Nachhaltigkeitswirkung und Renditechancen – individuell und im Einzelfall.
Das Tool nutzt jedoch auch Rot-Abstufungen, um Warnsignale zu vermitteln. Es kennzeichnet damit Vermögensverwalter, die darauf verzichten, ihren Einfluss auszuüben, damit die investierten Unternahmen nachhaltiger werden. Ebenso fallen intransparente Fonds darunter, für die keine auswertbaren Nachhaltigkeitsinformationen vorliegen.
Darüber hinaus besteht ein wichtiger Mehrwert in der Kenntnis der Top-Produkte. Die Übersicht identifiziert die besten nachhaltigen Fonds von einflussnehmenden Vermögensverwaltern bei den Aktien und Obligationen, darunter Globalance, Federated Hermes, Legal & General, Robeco, Schroders, Banque Cantonale Vaudoise (BCV), Ethos/BCV, ZKB/Swisscanto, aber auch von weiteren wie AXA, Berner Kantonalbank (BEKB), Candriam, Finreon, Graubündner Kantonalbank (GKB), J. Safra Sarasin, Mirabaud, Pictet und UBS.
Unsere Kriterien fussen auf den höchsten internationalen Standards – vorab die Dekarbonisierungspfade der UN Net Zero Asset Owners Alliance, die Liste der klimapositiven Wirtschaftsaktivitäten der EU-Taxonomie und die UN Sustainable Development Goals.
Unsere Zusammenstellung ist für alle Investor:innen nützlich.
Professionelle und institutionelle Investor:innen können mit unserer Übersicht wirkungsvoll handeln. Sie bietet eine kriterienbasierte und transparente Alternative, die ambitionierte Klima- und Nachhaltigkeitsziele mit Renditeaspekten verbindet. Aufgrund ihres Marktgewichts können diese Investor:innen damit gezielt bei den Fondsanbietern neue, weiter verbesserte Produkte anzuregen.
Auch nicht-professionelle Anleger:innen profitieren. Unsere Tabellen ermöglichen es ihnen, Finanzberater:innen auf Augenhöhe zu begegnen und gezielt nachhaltige Alternativen einzufordern.
Hier geht es zur jeweils neuesten Version unseres Tools mit vollem Namen „Übersicht nachhaltiger und klimaverträglicher Anlagelösungen von einflussnehmenden Asset Managern (Aktien, Obligationen, Infrastruktur, Alternative Anlagen, Impact Generating Investments)“: Download
Die Wirkungsfelder nachhaltiger Investments
Nachhaltige Geldanlage verbindet Rendite mit messbarer Wirkung. Zwei zentrale Ansätze prägen diesen Weg: einerseits die Umstellung oder Neuselektion bei den traditionellen Kernanlagen mit börsenkotierten Titeln und andererseits die Neueinführung wirkungsorientierter Investitionen besonders bei den Alternativen Anlagen mit Privatmarkt-Investitionen, die ohne Weg über Handelsplätze getätigt werden. Zwischen diesen beiden Polen liegen Privatmarkt-Anlagesegmente, die vor allem aus Gründen der Diversifikation und Risikostreuung genutzt werden. Solche Investitionen bieten Renditechancen, ohne dass Nachhaltigkeit ihr Hauptziel ist.
Das breit gestreute Kernportfolio setzt auf neue Aktien- und Obligationenfonds, die bis 2030 eine CO₂-Reduktion von mindestens 50 Prozent im Vergleich zum Marktbenchmark erzielen. Entscheidend ist zudem, wie aktiv Asset Manager Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit bewegen: Die Bewertung reicht von „Tiefrot“ für geringe Wirkung bis „Dunkelgrün“ für hohe Einflussnahme.
Der zweite Ansatz, Impact Generating Investments, zielt darauf ab, konkrete Lösungen für globale Herausforderungen direkt zu finanzieren.
Dazu gehören die von vielen Vermögensverwaltern angebotenen Green Bonds, die den Übergang zu erneuerbaren Energien und zu einer Kreislaufwirtschaft vorantreiben.
Infrastrukturprojekte wie Wind- und Solarparks, intelligente Stromnetze, Energiespeicher und E-Mobilität bilden eine weitere Säule: fokussierte Vermögensverwalter sind etwa Avadis/Aquila Capital, Capital Dynamics, EBG Investment Solutions, EBL Investment Management (Elektra Baselland), InPact, Patrimonium, Reichmuth Infrastruktur, SFP Infrastructure Partners, Susi Partners, Swiss KMU Partners/Picard Angst, Swiss Life/Fontavis, Valyou.
Mikrofinanz-Fonds und Fair-Trade-Investitionen fördern Kleinbetriebe im globalen Süden, indem sie Zugang zu Kapital für nachhaltige Landwirtschaft, erneuerbare Energien und lebenswichtige Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung und sauberes Wasser schaffen. Vermögensverwalter hoher Professionalität sind etwa Alpha Mundi, Blue Orchard/Schroders, Inoks, Invethos, responsAbility, Symbiotics. Besonders wirksam sind Direktanlagen in Oikocredit und Fair Capital, die gezielt benachteiligten Bevölkerungsgruppen helfen, der Armut zu entkommen.
Das zwischen den beiden Polen liegende Segment der alternativen Privatmarkt-Anlagen umfasst Fonds, die Unternehmen und Projekte aus den Bereichen Infrastruktur sowie Beteiligungen («Private Equity») oder Unternehmensfinanzierungen («Private Debt») fördern. Weitere Kategorien investieren in Gold und Rohstoffhandel, Kryptowährungen, Hedgefonds oder in spezielle Anlageformen wie die Rückversicherung von Versicherungen gegen Katastrophenschäden («Insurance-Linked Securities»,«Cat Bonds»). Auch die Vorfinanzierung von aussichtsreichen Sammel- oder Einzelklagen durch Anwaltskanzleien («Litigation Finance») gehört dazu.
Hinter diesen oft wenig bekannten und meist intransparenten Geldflüssen verbergen sich jedoch nicht selten Unternehmen oder Projekte, die klima- oder sozialschädlich sind. Beispiele hierfür sind fossile Infrastruktur wie Gaspipelines oder Terminals für verflüssigtes Erdgas (LNG), Autobahnbetreiber, Flughäfen sowie Privatunternehmen, die Gefängnisse betreiben.
Deshalb ist die fokussierte Suche nach Privatmarkt-Fonds mit bestmöglicher Nachhaltigkeit ein besonders wichtiger Aspekt. Zudem sind viele dieser Investitionen nicht börsengehandelt und lassen sich nicht kurzfristig veräußern, falls sich ihre Nachhaltigkeitswirkung als unzureichend erweist. Eine sorgfältige Prüfung im Vorfeld ist daher unerlässlich, um sowohl finanzielle als auch nachhaltige Ziele zu erreichen und eine unbeabsichtigte langfristige Bindung an unerwünschte Aktivitäten zu vermeiden.
Zusammenfassend: Mit unserem Tool erschliesst sich die gesamte Bandbreite nachhaltiger Investments – von der Umstellung traditioneller Portfolios bis hin zu direkten Impact-Investments. Es ermöglicht eine fundierte Entscheidung, indem es Transparenz über Wirkungsfelder, Nachhaltigkeitsstandards und Risiken schafft.
Klare Kriterien zur Bewertung von Fonds helfen, klima- oder sozialschädliche Engagements frühzeitig zu erkennen und langfristige Fehlinvestitionen zu vermeiden. Gleichzeitig lassen sich gezielt Projekte auswählen, die messbare positive Effekte für Umwelt und Gesellschaft erzielen – etwa durch CO₂-Reduktion, erneuerbare Energien oder soziale Innovationen.
Fazit
Die Finanzbranche zeigt trotz vieler Versprechungen nach wie vor erhebliche Defizite bei der nachhaltigen Ausrichtung ihrer Investitionen.
Pensionskassen und Vermögensverwalter schöpfen das Potenzial nachhaltiger Fonds kaum aus, wodurch die notwendige Transformation hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft verzögert wird. Vermögensverwalter nutzen ihre Einflussmöglichkeiten zu wenig, um um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen.
Das Wissen und die Nachfrage nach nachhaltigen Fonds müssen steigen. Investitionen sollten gezielt in Unternehmen und Projekte fliessen, die messbare ökologische und soziale Wirkung erzielen.
Unsere Übersicht nachhaltiger Fonds bietet eine wertvolle Orientierungshilfe, um ökologische und soziale Wirkung mit Renditeerwartungen zu verbinden. Sie fördert eine bewusste, wirkungsorientierte Investmentauswahl und unterstützt so Anleger:innen dabei, die Finanzwelt aktiv in Richtung Nachhaltigkeit zu bewegen.
Die Herausforderung bleibt aber: Die Finanzwelt muss ihre Prioritäten überdenken. Sie sollte nachhaltige Investments systematisch fördern und konventionelle Fonds auf einen ambitionierten Dekarbonisierungspfad bringen. Anleger:innen können dabei durch bewusste Auswahl die Nachfrage stimulieren.
Impressum
Diese Übersichtsanalyse können Sie als PDF downloaden: hier
Unser Dokument mit vollem Namen „Übersicht nachhaltiger und klimaverträglicher Anlagelösungen von einflussnehmenden Asset Managern (Aktien, Obligationen, Infrastruktur, Alternative Anlagen, Impact Generating Investments) enthält alle Informationen zu unserem Ansatz, zu den Kriterien, zum Prozess der Erstellung, der Kommunikation mit den Anbietern, der Neuaufnahme von Finanzprodukten sowie der Aktualisierung der Einträge im Lichte neuer öffentlicher und durch Anbieter offengelegter Daten: Download
Wichtig: Vor jedem Anlageentscheid müssen Sie prüfen, ob unser Ansatz für Ihre finanzielle Situation und rechtliche Rahmenbedingungen relevant ist. Dazu gehört die Einsichtnahme in die jeweils aktuellste „Übersicht nachhaltiger und klimaverträglicher Anlagelösungen von einflussnehmenden Asset Managern“ .
Kontakt: Sandro Leuenberger, sandro.leuenberger@klima-allianz.ch
Downloads
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Übersicht nachhaltiger und klimaverträglicher Anlagelösungen von einflussnehmenden Vermögensverwaltern (Aktien, Obligationen, Infrastruktur, Alternative Anlagen, Impact Generating Investments), Juni 2026pdf
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Übersichtsanalyse nachhaltiger Fonds: Warum die Finanzwelt nicht auf Kurs ist – und wie Anleger:innen trotzdem wirksam investieren können (Juni 2026)pdf
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«Best-of» Auszug der Liste nachhaltiger und klimaverträglicher Anlagelösungen von leistungsfähigen Vermögensverwaltern (November 2025)pdf